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Motivation und Aufgabe

Die begrenzte Aufnahmefähigkeit unserer Ökosysteme, die Verknappung der Rohstoffe und der hieraus resultierende Kostendruck sowie veränderte politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen führen zu einer grundlegenden Veränderung unserer Wirtschaftsabläufe. Unternehmen müssen die Ressourceneffizienz ihrer Produkte erhöhen und ihre Systeme und Prozesse nachhaltiger und umweltschonend gestalten um langfristig am Markt wettbewerbsfähig zu sein.

»Der Transport- und Logistiksektor trägt mit einem Anteil von 23% an den weltweiten CO2-Emissionen eine besondere Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel – 35% davon werden alleine vom Waren- und Gütertransport verursacht« (IPCC).

Wissenschaftliche Studien stimmen darin überein, dass der erhöhte Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre die Toleranzgrenze des globalen Klimasystems überschreiten wird und – sollte die hierdurch verursachte Erwärmung der Erdatmosphäre den kritischen Schwellenwert von 2° Celsius bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erreichen – zu unabsehbaren Konsequenzen führt. Zugleich stellen die Verknappung der fossilen Rohstoffe und der hieraus resultierende Kostendruck die gesamte Logistikbranche vor die Herausforderung, ihre Abhängigkeit insbesondere von Erdöl zu überwinden. Im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz verfolgt die Bundesregierung ambitionierte Ziele: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2020 gegenüber 1990 um 40% sinken und die volkswirtschaftliche Energieproduktivität soll sich im gleichen Zeitraum verdoppeln.  Die Logistik kann hierbei einen entscheidenden Beitrag leisten. Dazu bedarf es technologischer, organisatorischer und prozessualer Innovationen, die Logistikunternehmen in die Lage versetzen, bei einer gleichbleibenden hohen Qualität, Zuverlässigkeit und Variabilität des logistischen Angebots ihre Ökoeffizienz weiter zu verbessern. Entsprechende Lösungen sind bislang nur teilweise marktreif.

Ökologie als weitere Zielgröße der Logistik

Die Optimierung logistischer Systeme ist kein neues Arbeitsgebiet, wird sie doch bereits seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise vorangetrieben. Allerdings fokussieren bisherige Optimierungsansätze den Bereich der Ökonomie, so dass ökologische Aspekte wenn überhaupt nur eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ziel muss jedoch sein, die Ökologie als weitere, und zwar gleichrangige, Zielgröße zu etablieren. Als Grundlage hierzu fehlt derzeit eine standardisierte Vorgehensweise für die ökologische Bewertung logistischer Systeme und Prozesse. Zwar gibt es bereits seit den 90iger Jahren Normen zum Umweltmanagement und der Ökobilanzierung, jedoch sind diese für logistische Systeme und Prozesse aufgrund ihres starken Produktbezuges und der hohen abzubildenden Komplexität logistischer Systeme nicht geeignet. Es gilt somit einen Standard zu entwickeln, mittels dessen die ökologischen Wirkungen von logistischen Systemen bewertet und Verbesserungspotentiale abgeschätzt werden können.

Fehlende Transparenz

Zahlreiche Ansätze und Produkte existieren, um Teilbereiche der Logistik energieeffizienter und umweltfreundlicher zu gestalten. Dennoch haben diese bislang keine weite Verbreitung gefunden. Grund hierfür ist, dass die Vielzahl der existierenden Einzelmaßnahmen in den Bereichen Transport, Intralogistik und Logistikimmobilie in ihrer ökologischen Wirkung sowie den wirtschaftlichen Auswirkungen nicht transparent sind. Es fehlen standardisierte ökologische Bewertungsverfahren / -methoden und eine systematische Sammlung ökologischer Gestaltungsalternativen für logistische Prozesse und Systeme. Unsicherheiten über die tatsächlichen ökologischen Wirkungen gepaart mit der Unkenntnis über mögliche ökologischere Alternativen und deren ökonomischen Auswirkungen machen es insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen (kmU) aber auch Großunternehmen schwer, ihre Logistik ökoeffizient zu gestalten.